#kann_Spuren_von_Giftbratzigkeit_enthalten
Oder: Meditation für Dummies. Die Meditation ist ein schönes Beispiel für verschiedene Dinge in meinem Leben, deren Sinn sich mir nicht sofort erschließt. Meditation und ich? Niemals. Ist mir viel zu abgehoben und eher was für abgedrehte Eso-Spinner oder spaßbefreite Gesundheitsapostel auf dem Weg zur Erleuchtung. Und überhaupt… was soll es bringen, blöde auf dem Hintern rumzusitzen?! Schwachsinn. Dann aber kam mir im Dezember auf Facebook die „5 Minuten Meditation“ unter und irgendwie dachte ich mir, probier es halt mal aus. 5 Minuten am Tag hast du übrig und hinterher kannst du wenigstens mitreden. Vielleicht ist an diesem Meditations-Ding ja doch was dran? Aus 4 Wochen wurden 12 Wochen. Und aus den täglichen 5 Minuten eine halbe Stunde. Kurz und gut: ich bin angefixt und schwer begeistert.
Sonnensch(w)ein im Giftbratzenmodus…
Bitte: Verschont mich jetzt mit Sprüchen à la „Beim Yoga oder während der Meditation schlafe ich immer ein, darum ist das nichts für mich …*grinsgrinshihi*…“, weil mir das zeigt, dass ihr schlichtweg keinen Bock darauf habt, euch mit diesem Thema auseinanderzusetzen – was ja auch absolut in Ordnung ist, aber dann muss man halt auch nicht überall mitquatschen. Solltet ihr euch allerdings bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, ist so ein Spruch ziemlich dämlich. Weil ihr dann ja eigentlich wissen müsstet, dass es durchaus verschiedene Yoga-Stile und unterschiedliche Meditationsarten gibt und dass es demzufolge extrem wahrscheinlich ist, auch eine Yoga- oder Meditationsvariante zu finden, die das Einschlafen unmöglich macht. Beispielsweise die Schüttelmeditation oder irgendeine andere der sechs bekanntesten Meditationsarten – was nebenbei bemerkt eben auch heißt, dass es sogar noch mehr Meditationsvarianten gibt… aber das nur am Rande, weil ich gerade im genervten Klugscheißermodus unterwegs bin. *grinsgrinshihi*
Gut. Ihr seht also, dass ein paar Wochen fleißigen Meditierens aus einer blöden Giftbratze kein Sonnensch(w)einchen machen. Was natürlich auch daran liegt, dass ich erst seit drei Wochen so richtig dabei bin. So richtig meint: mindestens 30 Minuten am Tag sind Pflicht und zweimal 30 Minuten sind die Kür und ich liebe die Kür! Falls ihr euch nun fragt, woher ich diese Stunde nehme: Habe vorher summa summarum täglich 1-2 Stunden in die Pflege [also Posts erstellen und anderweitig kommentieren] diverser Social-Media-Accounts investiert und das fällt ja nun weg, weil ich nur noch blogge. Was gut ist, weil es sich für mich sehr viel besser anfühlt. Denn… eine halbe Stunde Social Media: billiger Hamburger. Eine halbe Stunde Meditation: extrem leckerer Salat mit Hähnchenbruststreifen.
Gründe, um nicht zu meditieren: findet man sicher, wenn man sie unbedingt finden möchte. Ich möchte aber nicht und finde lieber Gründe dafür.
Gründe, die so sehr dafür sprechen, dass mir wirklich die Ausreden ausgegangen sind:
- Kost‘ nüscht.
- Kleiderordnung? Gibt es nicht.
- Spezielles/teures Zubehör? Nicht erforderlich.
- Besondere Voraussetzungen? Nein. Wer aufrecht sitzen und dabei atmen kann, kann meditieren. Ist nur eine Frage des Wollens.
- Komplizierte Planungen? Nö. Hinsetzen und atmen – ist weder organisatorisch noch logistisch eine besondere Herausforderung. Bekomme sogar ich hin, was dem Ding quasi das Gütesiegel „Von Planungschaoten getestet und für gut befunden“ verleiht.
- Der Schweinehund ist sooo groß? Ja und? Auf dem Hintern sitzen wird er ja wohl können, der Schweinehund.
- Keine Zeit? Netter Versuch. Am Anfang reichen – siehe oben – 5 Minuten. Und nach insgesamt 25 Stunden sollen sich erste Veränderungen zeigen, heißt es in unten verlinkter Info-Grafik.
Meditier(e)t und ihr werdet unsterblich…
Außerdem soll Meditation ja ein echter Gesundheits-Booster sein. Verspricht zumindest diese Info-Grafik, die ich jetzt einfach mal unkommentiert stehen lasse. Glaube nämlich nichts, bis ich es nicht am eigenen Leib erfahren habe. Wenn ich aber plötzlich zum Dalai Lama werde, der im Körper von Megan Fox steckt, dann werde ich das selbstverständlich entsprechend belobhuddeln. Logisch, weil das an ein Wunder grenzen würde, womit die Post-Lobhuddelei absolut angemessen wäre. Aber wie gesagt: gesundheitsgelobhuddelt wird erst hinterher und nicht schon vorher. Denn unter uns: ich mag das nicht, wenn man gesundheitsorakelnd tätig wird und vollmundig tolle Versprechungen drischt, bei denen es sich dann lediglich um den gequirlten Mist von recht fragwürdigen (Gesundheits)Seiten (Link zur VZ HH) handelt, von denen es leider erstaunlich viele gibt, wie diese Übersicht zeigt (Link zum ABC der unseriösen Quellen auf medium.com). Als Blogger habe ich ja irgendwie auch eine Verantwortung meinen Lesern gegenüber und sollte daher wenigstens grob überprüfen, woher die Infos stammen, die ich bloggenderweise verwurste oder auf welche Quellen ich verlinke. Finde ich. Aber ich schweife ab… zurück zur Meditation. [Mehr zum Thema Verantwortung gegenüber den Bloglesern gibt’s bei Fran.]
Aha…Bekenntnisse eines Meditations-Newbies
Während meiner täglichen 5 Minuten habe ich ehrlich gesagt… also… es war unspektakulär. Keine Geigen, keine Glöckchen, keine Erleuchtung, einfach nur sitzen und aus. War ein bisschen enttäuscht, aber dickköpfig genug, um diese 4 Wochen durchzuziehehn. Nur gut, dass ich ohnehin keine großen Erwartungen hatte. Irgendwann wurden aus den veranschlagten 5 Minuten plötzlich 10 Minuten und eines Tages habe ich verdutzt registriert, dass ich meine tägliche Meditationszeit ohne bewusstes Zutun einfach so auf 20 Minuten raufgeschraubt habe. Seit drei Wochen setze ich mir nun eine feste Zeit von 30 Minuten. Es gilt wie gehabt: keine Geigen, keine Glöckchen, keine Erleuchtung. An manchen Tagen gelingt es gut, an anderen schaue ich alle 10 Minuten auf die Uhr und möchte am liebsten aufspringen. Allerdings fühle ich mich nach diesen 30 Minuten immer besser als vorher. Immer. Ruhig, klar und sehr gelassen. Der Kopf ist nicht auf diese gruselige „ich habe nur Watte im Hirn“-Art leer, sondern irgendwie so, als hätte ich das Oberstübchen mal grob durchgeputzt, den Kram in die Regale gestellt und unnützes Zeug entsorgt. Kurz und gut: Es ist ein wirklich erstrebenswerter Zustand, den ich ohne jegliche Hilfsmittel erreiche. Ich muss mich einfach nur 30 Minuten auf den Hintern setzen.
Letzte Woche hatte ich mein persönliches Aha-Erlebnis. War wieder einer dieser Tage, an denen ich dazu neige, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen [großartigen Post dazu findet ihr hier: klick] und… ich muss es leider so sagen… das heulende Elend war. Mir zur Verfügung stehende Handlungsvarianten waren:
- Schokolade essen
- Chips essen
- Pizza essen
- IRGENDWAS essen
- Wein trinken
- Streit vom Zaun brechen – egal mit wem
- irgendwas löschen, was ich hinterher bereue [ja, ich bin ein bisschen masochistisch, na und? Nobody is perfect]
- wenigstens 10 Minuten auf den Hintern setzen und meditieren
Habe mich – welch unglaubliche Überraschung in so einem Post – fürs Meditieren entschieden. Nach 25 Minuten erklang ein Glöckchen und es erschien eine in eine Glitzerwolke gehüllte Fee, die sanft flüsterte… na gut, es war ein bisschen anders. Kein Glöckchen, keine Fee, dafür sah ich gestochen scharf, was genau mich da so dermaßen runtergezogen hatte und zum Wurm werden ließ. Werde das hier nicht weiter ausführen, aber es gehört ins Reich der unausgesprochenen Erwartungen und der Projektionen und hat nichts, aber auch gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Und davon lasse ich mich so dermaßen runterziehen? Schön blöd. So kann man wertvolle Lebenszeit auch verschwenden.
Nachdem ich das für mich so extrem zufriedenstellend aufgedröselt hatte, gab es abends ein Glas Wein und ein paar Chips. Shit happens. Schon klar, dass ich dringend an meinem Belohnungsprogramm arbeiten und es einem Update unterziehen muss. Aber ich zweifele nicht daran, dass ich das schaffen werde. Möge die Macht der Meditation mit mir sein… 😉
Mehr zur Meditation u.a. hier:
- YogaEasy: Sitz mal still! oder Meditation macht glücklich
- Kaerlighed: Die 5 größten Irrtümer über Meditation oder Meditation für Zweifler

P.S: Werde euch zu gegebenem Anlass selbstverständlich darüber in Kenntnis setzen, ob ich weiterhin auf dem Hintern sitze und ob mich der Dalai Lama mittlerweile um eine Audienz gebeten hat, weil ich so ein erleuchtetes Dingelchen bin.
P.P.S: Lesetipps habe ich (noch) nicht wirklich für euch. Was einfach daran liegt, dass ich entgegen meiner Gewohnheiten „einfach mal mache“ und vorher nicht zig Bücher über das Machen lese, ehe ich dann irgendwann den Hinter hochbekomme – oder in diesem Fall eben runter. Recht gut gefällt mir „Einfach meditieren“ von Clark Strand. Stand jahrelang ganz hinten in meinem Bücherregal, ehe ich neulich mal reingeschaut habe… manche Dinge brauchen eben etwas länger. Das Buch kommt angenehm undogmatisch und sehr menschlich rüber. Sehr sympathisch, wie Strand beschreibt, dass er sich während einer Meditationsklausur wie der perfekte Musterschüler in die Lotoshaltung zwang und am dritten Tag mit schmerzverzerrtem Gesicht kapitulierte. Da er die einwöchige Meditationsklausur in dieser Haltung nicht würde durchstehen können, ließ er den Lehrer wissen, dass er ab sofort eine bequemere Haltung einnehmen müsste. Antwort des Lehrers: „Ich habe mich schon gefragt, wann Sie endlich darauf kommen würden, dass es hier nicht um die perfekte Haltung geht. Wir machen hier ja keinen Benimmkurs.“ Kurz und gut: Das Buch läuft unter „Setz dich aufrecht hin, mach dir keine Gedanken und fang einfach an.“ Genau mein Ding.
Habe mir auf Empfehlung der Emotion auch „Meditation für Skeptiker“ bestellt und befürchte nach erstem Reinlesen, dass das Buch und ich keine Freunde werden. Mannmannmann… ist das dröge geschrieben. Hätte ich dieses Buch vor meinen ersten Meditationsversuchen in der Hand gehabt, wäre ich niemals auf den Geschmack gekommen. Also: nicht lesen, einfach machen. 😉
[Beitragsbilder: stocksnap.io/Jeremy Thomas und privat]