Fans der Shopaholic-Reihe um Becky Bloomwood erinnern sich vielleicht an den grünen Schal? Das Markenzeichen von Becky, die eigentlich bei einem Modemagazin arbeiten möchte, stattdessen aber eine Kolumne in einem Finanzmagazin bekommt und sich dort als „Die Frau mit dem grünen Schal“ einen Namen macht? Als Finanzexpertin bin ich zwar beinahe ebenso nicht halbwegs so qualifiziert wie Becky, mein Markenzeichen kristallisiert sich trotz ausbleibender Kolumne allerdings schon mal heraus. Und leider ist es kein grüner Schal. Sondern mein oller Kleiderschrank.
Das Bild mit dem Arbeitstitel „Olle vor ollem Kleiderschrank“ schaffte es aufgrund der selten dämlichen Kombination „eigene Blödheit trifft auf Lernresistenz und ausgeprägte Kamera-Aversion“ bereits in ein Interview, eine Blogvorstellung und in ein Autorenprofil. Und nun in die Öko-Test, Sonderheft Kosmetik 2017. Ab sofort bin ich also „Die Frau mit dem grünen Schal ollen Kleiderschrank“ und ich habe es verdient. So viel Dummheit und die konsequente Weigerung, sich seinem ärgsten Feind [dem Zahnarzt der Kamera] zu stellen, muss bestraft werden. Aber von vorne…
Aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht daran, dass ich seit geraumer Zeit mein Ja-Experiment zu laufen habe. Sprich: Ich möchte nicht mehr ständig ein Nein aus der Hüfte schießen, sondern einfach auch mal öfter Ja sagen. Nun nicht zu allem und jedem, aber dort, wo es mir sinnvoll zu sein scheint. Mein Ja-Experiment ist ein ständiger Kampf gegen mich selbst eine tolle Sache. Wirklich großartig. In der Theorie. In der Praxis ist es – zumindest anfangs – erstmal unbequem, weil das Verlassen der Komfortzone eben unbequem ist, was mir vor meinem Ja zum Ja-Experiment aber natürlich nicht so wirklich bewusst war. Nun bekam ich am 9. Februar eine Mail, angesichts derer mein „Achtung! Unbequem!“-Detektor sofort Alarm schlug die eine wunderbare Komfortzonenerweiterung einläutete:
[…] Ich bin Redakeurin bei der Zeitschrift ÖKO-TEST und bereite gerade ein Sonderheft Kosmetik & Mode vor. Darin geht es unter anderem auch um die Frage, wer oder was als schön angesehen wird, dass Schönheit weder eine Frage des Alters noch der Kleidergröße ist und, und, und. […] Und so bin ich im Zuge der Recherche auch auf diverse Ü40-Blogs gestoßen und ganz speziell auf weibandthecity (#Schönheitswahn), das ich ausgesprochen erfrischend finde. […] Könnten Sie sich vorstellen, stellvertretend für das 40+-Jahrzehnt ein paar Gedanken zu Ihrem Modestil, Kosmetik oder allgemein zum Schönheitsbegriff / -ideal / oder eben auch -wahn zusammenzufassen, so dass wir das Ganze samt Foto in unserem Sonderheft (noch echt in Papier) veröffentlichen?
Weib and the City goes Print – was für eine Ehre! Ob die Mail fehlgeleitet wurde und eigentlich eine andere Bloggerin angeschrieben werden sollte?! Besonders für jemanden, der seit Jahren nur für verschiedene Online-Magazine schreibt und dazu noch ein extrem „Sex and the City“-verseuchtes Hirn hat, was sich unter anderem darin äußert, dass ich mich noch nie ernsthaft gefragt habe, wie sich Carrie Bradshaw mit ihrer kleinen Kolumne einen Lifestyle mit Cosmopolitan und Manolos leisten kann oder an manchen Tagen ernsthaft glaube, dass ein „echter“ Mann tatsächlich so was sagen könnte wie Mr. Big: „Nach einer Weile willst du einfach nur mit der einen zusammen sein, die dich zum Lachen bringt!“ und dabei nicht von einem 25-jährigen Dessousmodel mit BWL-Studium redet. Völlig „Sex and the City“-verkorkst, ich sag’s ja und mit Grimms Märchen und Rosamunde Pilcher fange ich gar nicht erst an, das Zeug hintelässt doch irreparable Schäden in einem Hirn wie meinem … aber zurück zur Mail. Saß also leicht hyperventilierend am Laptop und habe ihn dann erstmal runtergefahren, damit ich – zur Not und falls es ganz blöde kommt – in Ruhe kollabieren kann, ohne dass mich jemand dabei beobachtet ich dabei versehentlich den Laptop vom Tisch haue.
Aufmerksame Leser wissen natürlich sofort, dass es auf so eine Anfrage nur eine zulässige Antwort gibt und die lautet in meinem Fall: Nein. Klar, oder? Weil ich ja logischerweise kein Ja-Experiment zu laufen hätte, wenn ich jemand wäre, der Chancen nutzt und sich nicht ständig selbst im Weg steht. Mir war allerdings auch klar, dass so ein Nein wohl überlegt sein will. Habe also einen Abend über meinem Nein gebrütet und möglicherweise hätte ich mich damit sogar arrangiert, hätte nicht Fran mit im Boot gesessen. Die wurde nämlich auch angeschrieben. Nun kann ich Fran gut leiden, aber Fran kann – glaube ich- weder Feiglinge noch [selbstmitleidige] Jammerlappen leiden und notorische Neinsager findet sie, glaube ich, auch eher blöd. Passt. Geht mir ja nicht anders, weswegen ich mich an manchen Tagen selbst ziemlich blöd finde und mich frage, warum ausgerechnet ich lebenslang mit mir zusammenleben muss.
Also habe ich Ja gesagt. Und schon hatte ich ein Foto-Problem. Weil die nette Redakteurin der Öko-Test eben auch gerne ein Foto von mir haben wollte. Leider gibt es kaum Fotos von mir, weil ich mich nun mal nicht gerne fotografieren lasse und Bilder von mir nicht leiden kann. Was tun? In vorhandenen Bildern buddeln eine Sache von 2 Sekunden und aufgrund der notwendigen Größe genau ein Bild finden, das okay ist. Es ist… tadaa … „Die Frau mit dem ollem Kleiderschrank“. Ein Bild, das nur entstand, weil ich vor knapp anderthalb Jahren todesmutig die Kamera auf mich gehalten habe, um zu überprüfen, ob ich wirklich so unfotogen bin, wie es auf allen anderen Fotos den Anschein hat. Offenbar bin ich es nicht, denn auf dem Bild kann ich mich halbwegs gut leiden. Allerdings nun auch nicht so gut, dass ich es unbedingt einer wirklich großen Leserschaft zugänglich machen muss so uneitel bin ich dann doch nicht.
Dumme Nuss Schlaufuchs, der ich bin, habe ich mir daher was überlegt. Nämlich: Ich schicke erstmal „die Olle mit dem ollen Kleiderschrank“ mit und lasse dann [da das Heft ja erst im September erscheinen soll und ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, wie lange es dauert, ehe so ein Heft fertig ist] irgendwann im Juni so ein Angeber-Bildchen machen, das ich noch schnell nachreiche. Ihr wisst schon, welche Art von Bild ich meine: Kopf neckisch zur Seite gekippt bisschen so wie der fast kopflose Nick und dazu genau die richtige Portion lässiger, dabei aber auch wahnsinnig sympathischer Coolness im Blick. Keine Ahnung, woher ich das hätte nehmen sollen und ob man das überhaupt am Stück in nur einen Blick bekommt und weiß der Geier, warum ich dabei ausgerechnet an Jack Sparrow denken muss, aber ich hätte es versucht und wahnsinnig souverän aus dem Kleiderschrank der Wäsche geschaut.
So der extrem ambitionierte Gedankenfurz Plan , von dem ich niemandem was erzählt habe, damit mir niemand Feuer unter dem Allerwertesten machen und mich vor die Kamera zerren kann, der fortan vage als „müsstest du dann demnächst unbedingt mal angehen, aber morgen ist ja auch noch ein Tag“ durch meinen Hinterkopf schwirrte. Und schwirrte und schwirrte und wenn er nicht gestorben ist, dann schwirrt er da noch heute. Am 15. Mai bekam ich nämlich eine Mail:
[…]Unser Ratgeber Kosmetik mit Ihrem Beitrag ist veröffentlicht (doch nicht erst im September).
Joa…
Shit happens Markenzeichen rulez. Meinen ollen Kleiderschrank und mich findet ihr also in der Öko-Test, Ratgeber Kosmetik 2017. Während der Schrank allerdings nur dumm in der Gegend rumsteht und dabei nicht mal dekorativ aussieht, durfte ich sogar ein paar Worte schreiben. Und nein, ich bekomme weder ne Provision noch einen grünen Schal oder einen begehbaren Kleiderschrank, wenn ihr über diesen Link ein Heft kaufen oder darin blättern solltet. 😉

[„Die Frau mit dem ollen Kleiderschrank“ in der zurechtgeschnittenen Version – und das betrifft Bildausschnitt und Haarlänge. Habe mir nämlich mittlerweile ein zweites Markenzeichen zugelegt: den Undone-Blogger-Dutt. Wirkt wie ein natürliches Lifting und hebt abgesackte Gesichtspartien um mindestens eine Etage an. Dazu noch ein diabolisches Grinsen charmantes Lächeln und ich sehe aus wie eine frisch verliebte 39 sehr gut ausgeschlafene 44-Jährige … 😎 ]
P.S: Mit von der Partie sind übrigens nicht nur Fran, sondern auch Sieglinde sowie die Modeflüsterin und Susi von den Lady.Bloggers. Gewissermaßen ein kleines Bloggertreffen. 😉
[Beitragsbild: erstellt mir Canva, Rest privat]