Lebe nun seit sechs Wochen ohne Instagram und seit einer Woche ohne FB. Seit drei Wochen gilt der erste Blick am Morgen nicht mehr diversen Nachrichten-Apps [da schaue ich erst im Lauf des Tages vorbei], sondern der Kaffeemaschine. Katastrophenberichterstatter meide ich grundsätzlich und der Fernseher bleibt aus – Ausnahme: Fußball, Handball [Bundesliga und Champions League] und die Tagesschau sowie ausgewählte DVDs. Meine Seele hat seither 10 kg abgenommen und schläft zum ersten Mal seit langer Zeit wieder durch. Wenn nicht gerade Vollmond ist oder ich ins Grübeln gerate und mir meine Zukunft in Fifty Shades of Black ausmale.
Ich fühle mich wie nach einer Fastenkur – nur ohne den Gluckerbauch, der von zu viel Tee und Brühe herrührt. Und ich habe auch nicht die miese Laune, die ich immer bekomme, wenn man mir mein Essen vorenthält – darauf reagiere ich ja zickig bis bösartig. Fühle mich allerdings auch ein bisschen wie jemand, der sich die letzten Wochen verbuddelt hat und jetzt vorsichtig die Nase aus seinem Loch steckt. Oder wie ein Waldschrat, der mal wieder zaghaft durch die Stadt bummelt und dabei feststellt, dass er nicht mehr auf dem Laufenden ist.
- Habe völlig verpeilt, dass der zweite Teil von „Fifty Shades of Grey“ nicht nur abgedreht wurde, sondern es bereits ins Kino geschafft hat. Da ich nicht mal das erste Buch gelesen habe, kann ich zu dem Thema nicht viel sagen. Ich lege euch aber den schönen Post namens „Peitschen-Pein und Herzklopfen“ vom Konsumkaiser ans Herz. Aber Vorsicht: Beim Lesen nichts trinken, hört ihr? Essen auch nicht. Für Risiken und Nebenwirkungen, wenn ihr das doch tut, übernimmt niemand die Verantwortung. Niemand.
- Meine FB-Verweigerung wird vermutlich ein verschrumpeltes Schrapnell aus mir machen, da ich nie wieder erfahren werde, wann denn nun die nächste „Hyaluronsäure-Party“ stattfindet, bei der ich für’n Appel und ’n Ei die sexy Lippen bekäme, die mir leider nicht in die Wiege gelegt wurden. Wenn ich noch ein bis zwei Freundinnen mitbringen würde, gäbe es die neuen Lippen sogar noch mal günstiger. Hach. Schlaufuchs, der ich bin, habe ich mir für die Ersparnis des Freundinnen-Tarifs einen supi-dupi Lip Volume Booster gekauft. Der „spezielle Wirkstoffkomplex boostet meine Lippen“ und es fühlt sich ehrlich gesagt so an, wie Pavianpopo aussieht, der Schlauchboot-Effekt stellt sich allerdings nicht ein.
- Außerdem kaufe ich als Instagram-auf-Eis-Legerin fast nur noch Zeug, das auf meinem eigenen Mist gewachsen ist. Und das ist, wie ich seit dem Überfliegen der aktuellen InStyle weiß, so weit vom Trend entfernt, wie ein Nilpferd von einem Schmetterling. Angsagt sind laut InStyle u.a.: weiß, bunte Streifen, metallisch schimmernde Stoffe, Jeans allover [*würg*], Fancy Pop Art, Sporty und Military. Ich hingegen kaufe kleine Schwarze, weil ich gerade auf dem „Audrey Hepburn“-Trip bin und maßgeblich daran beteiligt ist das Buch von Pamela Keogh „Was würde Audrey tun“ . Werde inmitten der schillernden Farbenpracht vermutlich mal wieder rumlaufen wie ein depressiver Beerdigungstourist, aber das ist mir egal, da steh ich drüber.
- Und zu guter Letzt habe ich auch noch den Valentinstag verpasst! Klar, wer Werbung meidet, lebt diesbezüglich ja völlig hinter dem Mond. Muss allerdings gestehen, dass ich an diesem Tag noch nie überdimensionales Pralinchen gespielt habe und auch nicht die Absicht habe, das zu tun. Ich werfe weder mit Herzchen noch mit Küsschen um mich und fordere im Gegenzug weder Schnittblumen noch Gedichte oder anderen Schnullifax.
Vielleicht sollte ich jetzt schreiben, dass ich mich ein bisschen schuldig fühle, weil es Menschen gibt, deren Job es ist, das Informationskarussell rund um die Uhr am Laufen zu halten, ich jedoch nicht mehr gewillt bin, mich rund um die Uhr berieseln zu lassen. Das wäre allerdings gelogen, denn ich bin wirklich auf den Geschmack gekommen. Mit Informationen verhält es sich für mich ja so ähnlich wie mit dem Essen: Ich brauche weitaus weniger davon, als ich das für nötig halte. Oder sehr frei nach Sokrates: Ich lebe nicht, um rund um die Uhr Informationen aufzusaugen, sondern ich informiere mich gezielt, um besser leben zu können… 😉

[Beitragsbild: privat, Grafik erstellt mit Pablo by Buffer]