Wenn eine Clutch zur unfreiwilligen Baby-Tasche wird

Ich liebe Taschen. Na gut, nicht alle. Nur die großen. Und es ist mir auch total egal, dass das eine Steilvorlage für dumme Kommentare wie ‚Wo will denn die große Tasche mit der kleinen Frau hin‘ oder ‚Tragen wir heute unser Hauszelt spazieren‘ provoziert. Ich bin klein, aber ich kann verdammt große Taschen tragen  – und ich kann sie leider Gottes auch mühelos vollstopfen. Es leuchtet selbst einem Taschenjunkie wie mir ein, dass es wohl nicht normal ist, drei Tage lang einen Handball (Größe 2) mitzuschleppen, ohne was davon zu merken! Oder neulich eine Salatgurke. Die lag zwei Tage lang in meiner Tasche und hat mich nicht gestört!

Hätte ich die Tasche nicht auf der Suche nach meinem Lipgloss durchwühlt, hätte ich meiner kleinen Gurkenbegleitung auch weiterhin die Stadt gezeigt und ihr vielleicht noch einen kleinen Gesellschafter [bisschen Obst oder anderes Gemüse] spendiert. Das wirft Fragen auf. Etwa: Wenn ich zwei Tage diese Gurke in meiner Tasche spazierentrage, OHNE es zu merken, ist meine Tasche dann zu groß oder war die Gurke zu klein? Und was sagt das über mein Gedächtnis aus? Wären Achtsamkeitsübungen eine gute Idee? Muss ich mein Kaufverhalten überprüfen? Warum kaufe ich Sachen, die ich offenbar nicht vermisse?! Oder sollte ich mir vielleicht lieber mal eine kleinere Tasche zulegen? Eine, in die eine Salatgurke gar nicht erst reinpasst?

Fragen über Fragen. Nun gibt es ja so einige Dinge, die in meinem Modeleben eine bislang absolut untergeordnete Rolle spielten oder schlichtweg nicht vorhanden waren. Winzige Taschen beispielsweise. Wie die Clutch. Denn wofür sorgt die Tasche normalerweise? Dafür, dass frau die Hände frei hat und sich entspannt anderen Dingen widmen kann. Was macht die Clutch?! Will ständig in der Hand gehalten werden. Das ist eine verdammte Klammertasche, in der zwar theoretisch alles Wichtige drinsteckt, die sich aber trotzem nicht gescheit greifen lässt und die aufgrund ihrer Winzigkeit nahezu dafür prädestiniert ist, irgendwo vergessen zu werden – zumindest von mir. Wie ein Regenschirm. Nur stecken in meinen Regenschirm eben weder Schlüssel noch Portemonnaie oder mein allerliebster Lieblingspuder, den es nicht mehr zu kaufen gibt, weil ich damals beim Ausverkauf von Schlecker alle Puderdosen gehortet und amazon leergkeauft habe. Aber irgendwann ist dann halt auch mal das letzte Döschen fällig. Nämlich jetzt. Und ich werde den letzten Krümel auskratzen, das schwöre ich.

Aber zurück zur Cluch: Ist Frau mit den Clutch-Gepflogenheiten nicht  ganz so vertraut, hat keine Lust, das Ding stundenlang in der Hand zu tragen und hat vorher nicht, so wie ich Schlaufuchs, die No-Gos ergoogelt, droht der modische Super-Gau: die Wassermelonen-Falle! Ich spiele natürlich auf die legendäre Szene aus Dirty Dancing [kennt ihr doch, oder? ] an, in der Baby sagt: „Ich habe eine Wassermelone getragen.“ Die unter den Arm geklemmte Clutch bringt die selbsternannten Stilexperten zum Aufheulen und die Modepolizei rollt schneller an, als du Clutch sagen kannst. Die Sache ist nämlich die: Wir dürfen alles tragen, was wir wollen. Aber wir dürfen es nicht so tragen, wie wir es wollen – sondern nur in der von selbsternannten Fashionexperten [die was für diesen Job qualifiziert? Das Lesen der InStyle?] vorgeschriebenen Weise. Sonst sind wir ratzfatz Baby und haben eine Wassermelone getragen.

Und wer möchte schon die nächste Sau sein, die durchs Fashion-Dorf getrieben wird? Tuscheltuschel… sie hat eine Clutch unter den Arm geklemmt…flüsterflüster… womöglich trägt sie morgen eine weiße Bluse, obwohl doch jetzt hellblau das neue Weiß ist! Kicherkicher. Tja, ein winziger Moment der Schwäche [Wohin mit der blöden Clutch? Die nervt so, ich klemm sie mal kurz unter den Arm…] und schon ist man die Frau, die eine Clutch getragen hat – unter dem Arm! Muss ja nicht sein. Also habe ich mir zwar eine kleinere Tasche zugelegt, aber keine Clutch. Sondern ein hübsches Täschchen aus dem Secondhandshop. Nicht zu klein, nicht zu groß, muss nicht in der Hand getragen werden – nehme ich an. Oder ist der Quatsch… ähem… der Spaß am Trend-Styling wieder aktuell, dass Henkeltaschen plötzlich zur Clutch werden wollen?! Ich hoffe nicht! Und es passt zwar eine Salatgurke ins Täschchen, aber die Gefahr, dass ich das Ding in der Tasche vergesse, ist nicht so groß. Hoffe ich. Und wenn doch, lege ich mir keine neue Tasche zu, sondern lieber Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging…😉

 

 

 

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