Spanx, Shapewear, Presswurstunterwäsche – da hat jeder eine Meinung zu. Ich auch. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich fröhlich rumkrakehlte, dass mir diese Presswurstwäsche nicht ins Haus kommt, weil ich von dieser Schummelei nichts halte. Interessante Aussage von jemandem, der sich die Haare färbt und sich in Nudetönen schminkt, damit er wie ungeschminkt aussieht. Und somit seinen Teil dazu beiträgt, dass die Mode- und Schönheitsindustrie Quadrillionen mit uns verdient, weil wir uns ja zeigen wollen, wie wir sind – halt nur in optimierter Form.
Woher der Sinneswandel? Wurde mir frei Haus geliefert. Gemeinsam mit einem knielangen, auf Figur geschnittenen schwarzen Jersey-Tunikakleid. Was für ein fieses Teil! Das verzeiht nicht nur gar nichts, sondern ist gewissermaßen die Heidi Klum in meinem Kleiderschrank – der Stoff gewordene Makeldetektor, der sofort Alarm schlägt. Es ist grausam. Ein BH-Träger, der einschneidet? Oder ein noch nicht endgültig verstoffwechseltes Mittagessen? Spot an und Aufmerksamkeit, wem keine Aufmerksamkeit gebührt! Naheliegender Gedanke? Natürlich nicht „Schick das Teil zurück!“. Sondern „Hm… wenn du das – oder besser gesagt: dich – ein bisschen optimieren könntest, so hier und da… dann würde das viel viel besser aussehen.“ Tja… wie war das? Von wegen, ich verbiege mich doch nicht, um in meine Klamotten zu passen und die ideale Klamotte schmeichelt mir?!? Goodbye Stolz – hello Presswursthöschen.
Presswurst? Nö. Nur Wasser und Sport…
Die normale Frau spricht natürlich nicht über ihre geheime Affäre mit Presswurst &Co. Und die Promi-Frau setzt nochmal eins drauf und erzählt stattdessen was von guten Genen, hartem Training, einem waaaaaahnsinnig tollen Couturier und einem guten Draht zur Schwerkraft und so. Aber ich bin halt nicht normal. Also Zeit fürs Outing. Und somit bekenne ich: Ich trage gelegentlich eine Shapewearehose oder ein Shapewearkleidchen und ich gebe beides nicht mehr her! Nie wieder! Die Hose ist superbequem und im Gegensatz zu allen Horrorstorys, die da kursieren, kann ich in dem Teil atmen, essen und mich auf bequem auf der Couch rumlümmeln. Im Kleidchen ebenso. Ich liebe meine Formwunder, weil sie mich in manchen Situationen einfach besser aussehen lassen, ich mich „gut eingepackt fühle“ und die Laune an diesen blöden „Ich fühle mich wie ein gestrandeter Wal“-Tagen vom Keller in den 1.Stock steigt. Allerdings versuche ich auch nicht, mich einige Konfektionsgrößen kleiner zu quetschen und aus der 38/40 eine 32/34 zu machen. Schon möglich, dass einem das die Luft abschnürt. Ich trage mit meinen Presswurstklamotten eine optimierte 38/40 und das ist absolut in Ordnung so. Vor allem bekomme ich halt auch keinen Nervenzusammenbruch, wenn ich die Teile ausziehe, da Wunsch und Wirklichkeit eben nicht sooo weit auseinander liegen.😉
Die Preisfrage
Die Preise der formenden Teile variieren beträchtlich. Hatte mich im vergangenen Jahr auf der Suche nach einem hochgeschnittenen Höschenmodell mit angesetztem Bein durch verschiedene Shops geklickt und bin dabei auf eine Bandbreite von ca. 9 – 50 € gestoßen. Dem Preis geschuldet ist meine Zauberunterbüx nicht das Original, sondern die günstige Variante von C&A, von der ich eigentlich nicht allzu viel erwartet hatte. Was soll man schon von einem 12€-Teil erwarten?! Aber siehe da: Passform perfekt und Formstabilität und Langlebigkeit mehr als zufriedenstellend. Ich bin wirklich begeistert – wenn ich nicht überlege, wie die Hose wohl hergestellt sein worden mag.
Queen of Spanx
Nichtsdestotrotz liebäugele ich damit, mir vielleicht zum übernächsten Geburtstag so ein echtes Spanx-Teil zuzulegen, denn der Hype geht ja nicht spurlos an mir vorbei. Bin diesbezüglich sehr verführbar zurzeit. Aber mal ehrlich… ich will es auch, denn: Oprah Winfrey trägt es, Gwyneth Paltrow, Eva Longoria, Sarah Jessica Parker und Eva Mendes [angewandtes Frauenmagazinwissen] auch und… ach… einigen wir uns darauf, dass auf den roten Teppichen dieser Welt sehr, sehr viel Shapewear in geheimer Mission unterwegs ist. Wobei ich mich schon frage, was bei Gwyneth-ich-esse-heute-mal-gar-nichts-Paltrow in Form gehalten werden muss?! Ist doch nichts mehr da… ähm… genug gelästert und Ehre, wem Ehre gebührt: Diesen Artikel widme ich Sara Blakely, der Erfinderin der Shapewear. Sie hat mir nicht nur den Spaß an leichten Sommerkleidchen aus fiesen Stoffen zurückgegeben, sondern auch eine atemberaubende, sehr faszinierende Karriere [s.u.] hingelegt. Quasi von der Tellerwäscherin zur Millionärin. Und es begann alles mit einer Strumpfhose…😉

Infos:
- Sara Blakely [*21.Februar 1971] rasselte zweimal durch die Aufnahmeprüfung fürs Jurastudium und sattelte daher gezwungenermaßen beruflich um: Auf Faxgeräte, die sie von Haus zu Haus ziehend an den Mann brachte.
- An einem besonders heißen Sommertag plagte sie sich allerdings weder mit Faxgeräten noch mit Kunden, sondern mit einer fürchterlich auf der Haut klebenden Strumpfhose, die eigentlich ihre Figur unter der weißen Sommerhose partytauglich in Form bringen sollte. Was tun? Warum nicht einfach die Füße der Strumpfhose abschneiden?
- Der kleine Schnitt brachte ihr zahlreiche Komplimente für die knackige Figur. Und war zugleich die Geburtsstunde der coolen Shapewear und Blakely die Frau, die fortan gegen hässliche Miederwäsche im Oma-Stil zu Felde zog.
- Mit Erfolg: Spanx produziert heute knapp 40.000 der Nylon-Elasthan-Teile täglich und hat über 200 verschiedene Shapewear-Modelle im Angebot, die genial vermarktet werden. Freche Teile wie „Slim Cognito“ oder „Haute Contour“ haben mit öder „Ich bin fett“-Miederwäsche definitiv nichts mehr zu tun – und die Frauen danken es ihr.
- Mit dem Resultat, dass Sara Blakely mittlerweile weltweit eine der erfolgreichsten weiblichen Unternehmerinnen ist, laut Forbes als jüngste Selfmade-Milliardärin überhaupt gilt und von der Times zu einer der 100 wichtigsten Persönlichkeiten der Welt gewählt wurde.
- Und was macht Blakely mit ihrem Geld? Eine Menge. Sich beispielsweise um die Sara Blakely Foundation kümmern, die Frauen weltweit bei der Unternehmensgründung unterstützt oder sich anderweitig engagieren. [1]
- Blakelys Erfolgsrezept? Von sich und der Idee überzeugt sein, das Wörtchen nein ignorieren und durchhalten. Ganz einfach, oder?😉
Info & Leseklicks:
career-women-org: Schlüpfrige Milliarden-Idee [1]
RePost: Erschien zuerst auf WeibsWort am 12.03.2016