Dachtet ihr, es geht um die Bloggerwelt? Falsch gedacht. Ich habe vor einiger Zeit [okay… es war im April und ich wollte das schon längst verbloggen, aber dann kam mir mein „ich blogge nur leichte Kost“-Flash dazwischen… nun ja…] die Dokumentation Im Land der Lügen gesehen. Sehr sehenswert. Worum geht’s? Um unsere Gesundheit und letztendlich um den flapsigen Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“…
Zahlen lügen nicht! Diese angebliche Wahrheit machen sich viele zunutze – vor allem Politik und Wirtschaft, lassen sich doch hinter scheinbar objektiven Zahlen die wahren Interessen und Ziele „wissenschaftlich“ verbergen. Ob Bluthochdruck oder Blutzucker – die letzten Jahre wurden die Grenzwerte immer wieder gesenkt. Zur Freude der Pharmaindustrie, die auf diese Weise zu Millionen neuer Patienten kommt. Und der medizinische Nutzen ist längst nicht so eindeutig, wie man der Öffentlichkeit suggeriert, basieren die Zahlen doch oft auf fragwürdigen Studien, die interessengesteuert entstanden sind, sagt der weltweit anerkannte Risikoforscher Prof. Gerd Gigerenzer. (Quelle: ARD Mediathek)
Tatsächlich wurden verschiedene Werte im Lauf der Jahre gesenkt:
- Blutzucker: 1980 wurde die Diagnose Diabetes bei einem Nüchtern-Blutzucker von 144 Milligramm pro Deziliter Blut gestellt, heute bereits ab 126 eine Behandlung empfohlen. [1] In der Doku wird außerdem Prä-Diabetes erwähnt und der beginnt ab einem Wert von 100 mg/dl.
- Bluthochdruck: 1980 war laut Weltgesundheitsorganisation 160 normal, zehn Jahre später 140, im Jahr 2000 dann 130 und nun wieder 140. [1] Allerdings gibt es mittlerweile eine große US-amerikanische Studie (SPRINT-Studie), die vermuten lässt, dass Patienten enorm von einer kompromisslosen Senkung des systolischen Blutdrucks auf 120 mmHg profitieren würden… (Quelle: NDR: Welche Blutdruckwerte sind optimal?)
- Cholesterin: 1975 wurde ab 240 Milligramm pro Deziliter eine Behandlung in Erwägung gezogen, seit 2004 schon ab 130. [1] Randnotiz: Dr. Keys, der in den 50er-Jahren „nachwies“, dass Cholesterin gefährlich ist, griff nicht nur lediglich auf die Studienergebnisse zurück, die seine Behauptung untermauerten und ignorierte die anderen, er war zugleich bezahlter Berater der amerikanischen Margarineindustrie – heißt es in „Land der Lügen“.
Grenzwertige Verschiebung der Grenzwerte?
Die Senkung der Grenzwerte kann natürlich lediglich neuen Erkenntnissen geschuldet sein. Prof. Stefan Wilm (Universitätsklinikum Düsseldorf) sagt in der Doku allerdings: „Je niedriger wir Grenzwerte ansetzen, umso mehr Menschen müssen oder sollen wir mit Medikamenten behandeln, umso mehr Menschen sind krank und fühlen sich krank […] Umso mehr Medikamente werden verordnet, aber der Patient hat davon keinen Nutzen.“ Anderswo heißt es:
„Weil mit jeder neuen Verschiebung der Grenzwerte die Zahl der Menschen wächst, die offiziell als krank gelten, schlagen Gesundheitswissenschaftler inzwischen Alarm. Der amerikanische Nierenspezialist Richard Glassock machte letztes Jahr in einem Artikel im British Medical Journal (BMJ) darauf aufmerksam, dass unter die neueste Definition von chronischem Nierenversagen jeder achte US-Bürger falle, von den über Siebzigjährigen sogar jeder zweite. Nur ein verschwindend geringer Teil dieser neu deklarierten Patienten, schrieb Glassock, lande am Ende wirklich mit Nierenversagen im Krankenhaus – aber fast alle würden mit Medikamenten behandelt.“ (Quelle: Medizinische Grenzwerte – Krank gesund)
In „Land der Lügen“ heißt es lapidar, „dass das ein Wachstumsmarkt ist, der keine Grenzen kennt – nur Grenzwerte“. Lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Bildet euch euer eigenes Urteil und macht einen Ausflug ins Reich der Grenzwerte und Statistiken und schaut euch an, wie das Frühstücksei rehabilitiert wird, wenn ihr mögt. Hier geht’s zur ARD Mediathek und der Doku: Im Land der Lügen – Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren

In diesem Sinne: Bleibt gesund…😉
Info & Leseklicks:
- [1] hr-online: Werden wir zu Patienten gemacht?
- Zeit.de: Krank gesund – Die Selbstwahrnehmung beeinflusst das Gesundheitsgefühl
[Beitragsbild erstellt mit Pablo by Buffer]