Alljährlich ereilt mich kurz – oder auch ein wenig länger – vor meinem Geburtstag der Flitz, mir die Optik betreffend „was Gutes“ zu tun. Im letzen Jahr gönnte ich meinen Haaren dieses schweineteure Zauberöl aus dem Urwald. Der absolute Reinfall. Hätte ich vorher wissen können, wenn ich vor dem Kauf ein bisschen überlegt hätte, aber ich wollte nicht überlegen, sondern an Wunder glauben. In diesem Jahr ist mein Gesicht dran. Die Augenpartie lässt an manchem Morgen zu wünschen übrig und ich habe wirklich keine Lust, bereits um 4 Uhr aufzustehen, damit ich um 8 Uhr ausgeschlafen aussehe. Also habe ich mir eine etwas preisintensivere Augencreme zugelegt, die allerdings günstiger ist als die, die ich zuvor benutzt habe.
Und weil man auf einem Bein ja so schlecht stehen kann [was in meinem Fall ehrlich gesagt gelogen ist, da die Balanceübungen im Yoga zu meinen liebsten gehören], habe ich mir noch eine nicht ganz so preisintensive Anti Aging Creme bestellt, bei der es schon genial wäre, wenn nur die Hälfte der blumigen Versprechungen wahr werden würde. Mir ist schon klar, dass eine Creme nicht zaubern kann, aber einmal im Jahr wird frau diesbezüglich ja wohl noch austicken dürfen. Ich habe schließlich nur dieses eine Gesicht und das finde ich mittlerweile gar nicht mehr so übel. Und ich bin schon sehr daran interessiert, dass dieses Gesicht nicht einen auf Steilküste macht und komplett abstürzt oder zum Hamster namens Derrick wird. Sehr oberflächlich. Ich weiß. Na und? Steht irgendwo in Stein gemeißelt, dass die inneren Werte nicht nett verpackt sein dürfen?
Theoretisch sollte so ein Post jetzt wohl in die Richtung „die Cremes sind toll“ oder „die Cremes sind Schrott“ gehen. Tja, nix da. Gibt Beauty-Gurus, die diesbezüglich wirklich was auf dem Kasten haben, ich gehöre allerdings nicht dazu. Also betreiben wir hier doch stattdessen einfach mal ein bisschen geistiges Froschhüpfen. Das hält jung und schult die Aufmerksamkeit und wenn ihr am Ende des Posts grübelt: „Hä? Worum ging es doch gleich?“, dann ist bei euch diesbezüglich noch sehr viel Luft nach oben und nein, da hilft euch auch keine Creme auf die Sprünge.
Also, ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber ich bin ja Bloggerin. Das lasse ich anderswo allerdings nie raushängen. Erst recht nicht, wenn ich irgendwas haben möchte. Warum auch? Die Sache ist nämlich die: Wenn ich tatsächlich irgendwas haben möchte, dann zücke ich nicht mal testweise diese „Ich bin Blogger, könnte ich bitte ein PR-Sample haben?“-Karte*, sondern kaufe mir den Kram. Wenn es finanziell gerade möglich ist, anderenfalls verzichte ich eben… ähem… ich meine, anderenfalls bin ich eine sehr bewusste Konsumentin [wenn wir Bücher ausklammern], die sehr genau überlegt, was sie sich nun leisten kann möchte und was nicht. Und nein, ich habe ganz sicher nicht zu viel Geld und daher leicht reden. Schon mal jemanden getroffen, der sich nicht gut verkaufen kann, ungerne im Mittelpunkt steht und der durch die Onlineschreiberei reich geworden ist? Ich nicht. Neben mir ist Holly Golightly ein knallharte Geschäftsfrau und ich habe damals nicht umsonst mit der Monetarisierung dieses Blogs geliebäugelt, ehe ich aus Gründen davon Abstand genommen habe. Aber zurück zum Thema.
Ich möchte eine neue Creme ausprobieren? Ich kaufe sie. Eine meiner favorisierten Autorinnen hat ein neues Buch rausgebracht? Ich kaufe es – im Fall der wenigen Lieblingsautorinnen ausnahmsweise sogar mal nicht gebraucht, sondern für den vollen Preis. Weil die Autorin auch was davon haben soll und muss – wobei das wenig genug ist, so sie nicht J.K.Rowling heißt. Es gibt ein neues Album von Disturbed? Ich kaufe es. Für den vollen Preis.Weil ich kreuzunglücklich wäre, wenn die irgendwann keine neuen Alben mehr raushauen würden und ich ohne gute Musik elendiglich verrecken müsste. Und wenn mein Lieblingsitaliener [der gar kein Italiener ist und nur einen kleinen Imbiss betreibt] an sechs Tagen in der Woche die weltbeste Pizza macht, dann schwärme ich nicht nur von seiner tollen Pizza, sondern ich kaufe sie auch regelmäßig. Damit er weiter die weltbeste Pizza machen und im Idealfall auch davon leben kann.
Zurück zur Kosmetik: Es dürfte deutlich geworden sein, dass ich mein Zeug kaufe. Das höchste der Gefühle ist, dass ich – auch hier ohne die Bloggerin raushängen zu lassen – eventuell höflich nachfrage, ob ich denn vorab eine kleine Probe bekommen könnte, um mal zu sehen, wie meine Haut auf die Creme reagiert. Finde ich bei Cremes, die sich preislich nicht im Drogeriemarkt-Segment bewegen, absolut legitim und ich bin selbstverständlich auch bereit, für diese Probe zu bezahlen, weil ich nicht erwarte, dass man mir irgendwas schenkt. So wäre es auch in diesem Fall gewesen. Ich hätte nämlich gerne noch was aus dem Bereich der hyaluronhaltigen Cremes/Seren ausprobiert. Also habe ich im Rahmen der Bestellung gefragt, ob es denn diesbezüglich Proben geben würde, die man mir mitschicken könnte. Und was ist? Habe meine beiden bestellten Cremes erhalten, aber keinen Hinweis darauf, ob es nun Proben gibt oder nicht. Und das von einem Unternehmen, das gerne mal PR-Samples für Blogger raushaut. Da musste ich schon lachen und habe so bei mir gedacht, du blöde Kuh, das hast du nun davon.
Na gut, dann eben nicht. Bisschen schade, dass es nicht mal für einen wie auch immer gearteten Antwort-Einzeiler gereicht hat. Und ich muss gestehen, dass mich so ein Verhalten nicht nur ärgert, sondern dass ich diesbezüglich auch ein elefantös gutes Gedächtnis habe. Wenn diese Cremes nicht wahre Wunder vollbringen und ich in sechs Wochen so aussehe, als hätte man mir die Haut hinter den Ohren festgetackert und mich in den Jungbrunnen geworfen, dann war das meine letzte Bestellung dort. Vermute ich. Es sei denn, ich möchte endlich mal über meinen Schatten springen und lernen, ein bisschen großkotziger aufzutreten. Diese „Hallo, hier bin ich“-Nummer. Gerne kombiniert mit einer „Wenn du nicht erkennst, wie geil ich bin, dann bist du einfach nur zu blöd, du Vollpfosten“-Attitüde. Sollte ich also der Meinung sein, mal zwei Schritte in diesen Schuhen gehen zu wollen, dann könnte ich selbstverständlich die Bloggerkarte zücken. Aber bevor ich das tue, bringe ich wahrscheinlich doch eher ein eBook mit meinem „Best-of Bloggefasel“ raus. Mehr Großkotzigkeit geht echt nicht und warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? 😉
*Bitte darum, diesen Post nicht als Seitenhieb in Richtung derer aufzufassen, die PR-Samples, Rezensionsexemplare oder was auch immer annehmen, so ist er nämlich nicht gemeint. Jeder soll das so machen, wie er es für richtig hält. Und für mich ist es eben richtig, diesbezüglich nichts anzunehmen und auch nicht danach zu fragen.
[Beitragsbild: gratisography]